Hallöchen ihr lieben,
Seit letztem mal hat sich wieder eine Menge hier ereignet!
Seit zwei Wochen arbeite ich jetzt in einer Schule für Straßenkinder. Das Journalismusprojekt liegt gerade auf Eis- morgen bekomme ich wegen einer neuen Zeitung bescheid und deswegen überbrücke ich die Zeit mit einem anderen Projekt. Die Schule macht unheimlich viel Spass. Ich unterrichte eine Klasse mit etwa 25 Schülern, die zwischen 4 und 7 Jahren sind. Wir üben Vocabeln, Rechnen, malen, … Allerdings ist das Schulsystem in Ghana etwas anders gestrickt. Das Klassenzimmer ist draußen unter einem zerlöchertem Zeltdach, die Tische sind alt und klapprig, es gibt eine zerbrochene Tafel und eine handvoll Stifte. Die Kinder leben auf der Straße, haben oft keine Eltern und wohnen in den Slums in Accra. Einige von ihnen trinken in der Schule Parfum oder ähnliches, weil sie angehend alkoholabhängig sind. Die meisten Kinder sind aber sehr lieb und kontaktfreudig. Wenn wir morgens kommen springen sie an uns hoch, küssen uns und tanzen um unsere Beine herum. Während wir dann mit viel Geduld ;) den Kids versuchen etwas beizubringen, läuft immer mal wieder eine Ziege oder ein Huhn durchs Klassenzimmer. Leider ist es in Ghana ganz normal die Kinder zu schlagen. Jeder Lehrer hat eine Rute in der Hand und schlägt auf Hände, den Kopf oder den Rücken ein, wenn die Kleinen nicht hören oder eine falsche Antwort geben. Dadurch ist schlagen das einzige Druckmittel geworden- auf schimpfen oder ermahnen reagiert hier kein Kind. Nachmittags ist dann in der Schule Sport angesagt. Wir sitzen immer völlig fasziniert beim Boxen und beobachte die Kinder. Viele von den Kleinen boxen wie Profis- mich würden die mit einem Schlag umhauen. Es gibt auch Fußball, Hockey, Tanzen und Singen. Zum Schluss kaufen wir immer für alle Wasser und dann bricht Krieg aus! Die Kleinen ticken völlig aus, schreien und prügeln sich um ein Päckchen Wasser zu ergattern. Manchmal reisen sie uns sogar zu Boden um uns das Wasser aus der Hand zu schnappen…
Neben der Arbeit ist am Wochenende immer viel Zeit um zu verreisen. Vor zwei Wochen waren wir an einem wunderschönen Strand, voller Palmen und einem kristallklaren Meer. Nachmittags kommen Frauen mit Platten voller frischer Ananas und Mango vorbei. IN Ghana sind die meisten Strände völlig unberührt und man trifft keinen einzigen Touristen. Wir baden den ganzen Tag und sitzen bis nachts am Meer zusammen.
Letztes Wochenende machen wir eine Fahrt in den Osten nach Cape Coast und in den Kakum Nationalpark. Nach 5 Stunden erreichen wir Cape Coast, eine ganz außergewöhnliche Stadt. Es gibt fast nur richtige Backsteinhäuser und die Stadt liegt mitten am Meer. Hier sieht es ganz anders aus, als in Accra. Es ist viel ruhiger, sauberer und es sieht fast ein bisschen aus wie in einem italienischen Städtchen. DIe größte Sklavenburg Ghana’s kann man hier besichtigen und es ist schön einfach durch die Straßen zu bummeln und am Strand die Sonne zu genießen. Abends kommen wir dann in unserem Hotel an. Eine ganz tolle Anlage direkt am Meer. Wir schlafen in kleinen afrikanischen Hütten in großen Holzbetten, an den Wänden sind bunte Malereien und hölzerne Elefanten stehen an den Wänden. Nachts hört man das Meer rauschen und der erste Blick morgens ist ein palmengesäumter Strand.
Am nächsten Morgen geht dir Reise dann weiter in den Kakum Nationalpark. Erst laufen wir eine halbe Stunde durch den dicht bewachsenen Urwald, bevor wir zu einem riesigen System aus ewig langen Hängebrücken kommen. Diese schmalen Brücken hangeln sich in 40 m Höhe über den Urwald von Baum zu Baum in der Luft. Der Ausblick ist atemberaubend- unter uns ein Meer aus grünen Pflanzen, so weit das Auge reicht afrikanischer Urwald. Überall zwitschert es und man kann Affen kreischen hören. Leider habe ich Höhenangst, was ich jetzt zu spüren bekomme. Als ich da auf diesen 1 m breiten, uralten Hängebrücken laufe und hinunter sehe wird mir extrem mulmig. Zudem viele Bretter unter meinen Füßen zersplittert sind und die Seile aussehen wie aus dem 18 Jahrhundert. Außerdem sind wir einfach extrem hoch und die Brücken sind zum Teil 60 m lang. Alles schwankt und kracht und mir wird schlecht vor Herzrasen. Lisa hinter mir hat einen heiden Spaß, hängt sich mit dem Oberkörper aus den Seilen und will mir dauernd spektakuläre Stunts zeigen. Als ich sie dann etwas ungehalten bitte die Schnauze zu halten verstummt sie für kurze Zeit und lacht mich dann schallend aus… Gefühlte 10 Stunden später berühren meine Füße wieder festen Boden.
Diese Woche arbeite ich wieder, gehe an den Strand und gehe abends mit den Leuten in Accra weg. Die ghanaer feiern immer- jeden Tag. Musik und Tanz sind hier Lebensinhalt.
Tagsüber schwitzt man wie blöd. Zwischen 11 und 16 Uhr hat es immer ca. 35 Grad und man ist eigentlich immer komplett nassgeschwitzt. Abends ist es dann angenehm warm und man spürt die Sonne von tagsüber noch auf der Haut. Ich sitze hier auch noch die ganze Nacht im Kleid herum. Toll ist, dass auf den Straßen immer Frauen mit Wassertüten auf dem Kopf herumlaufen. Man braucht nur seine Hand aus dem Taxi oder Trotro zu strecken, schon hat man kaltes Wasser. Das Wasser gibt es hier nur in kleinen Plastiktüten, in die man ein kleines Loch beißen muss um zu trinken.
Dieses Wochenende geht’s für eine koplette Woche in den Norden des Landes nach Tamale und den Mole Nationalpark. Wir sind 10 Leute und es wird sicher aufregend. Hier schonmal ein kleiner Vorgeschmack: 25 Stunden Bus fahren, ein Hotel im Jungle, Affen, Elefanten, Krokodile, schlafen in einem kleinen Dorf auf den Hausdächern… es wird also sicher wieder sehr aufregendJ
Ein ganz fester Drücker aus Ghana an alle!!
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