Dienstag, 7. Februar 2012

Reise in den Norden

Hallo hallo,

Bin jetzt wieder im geliebten Accra angekommen, nach einer aufregenden Woche im Norden. Zu zehnt reisen wir am Montag ab und nehmen den Bus Richtung Tamale. 15 Stunden dauert die Fahrt, aber der Bus ist super bequem und um 5Uhr morgens erreichen wir Tamale. Eigentlich wollen wir direkt weiter fahren zum Mole Nationalpark, aber – wie sollte es anders sein- der Bus fällt aus (Ghana halt). Ich mache mich mit Marcel auf den Weg durch sie stockdustere Stadt zur Trotro Busstation. Obwohl es noch Nacht ist tummeln schon überall Menschen und Frauen verkaufen warmes Gebäck. Wir wandern durch die Gassen aus Bussen und quatschen die Trotro Fahrer an, ob sie uns zu zehnt nach Mole fahren könnten. Nach langem hin und her und viel diskutieren steht auf einmal ein Trotro nur für uns da. Die Stimmung darauf ist natürlich super- zehn Obrunis (weiße;)) in einem Privattrotro brettern durch Ghana. Was es wirklich sehr gut trifft, denn sobald wir die Stadt verlassen gibt es keine geteerten Straßen mehr. Die rote, sandige Straße bahnt sich ihren Weg durch die trockene Landschaft. Alles um uns herum ist voller schulterhohem Gras und Farn. Da Trockenzeit ist, ist alles gelb und staubig- es sieht so richtig nach Afrika aus. Alle 20 Minuten taucht mal ein Minidorf auf. Ein paar runde Lehmhütten mit Strohdach und ein Wasserbrunnen bilden das Dorf. Abgeschiedener kann man kaum leben. Die Kinder am Straßenrand sind völlig fasziniert und schockiert, wie da ein Bus mit 10 komischen Weisen- alle wild winkend- durch die Wildnis rast. Ein kleiner Junge lässt vor lauter Schreck seine Kokosnuss fallen. Unser Wagen kommt mit den Straßenverhältnissen gar nicht klar. Er scheppert und kracht so heftig, dass man sich nihct unterhalten kann. Alles vibriert und hüpft, die Fensterscheiben klirren in den losen Rahmen und die zerlöcherte Tür geht dauernd auf. Unter meinen und Magdalenas Füßen befindet sich der Motor und nach einer halben Stunde können wir unsere Füße nicht mehr auf dem Boden abstellen, weil er glüht. Nach 2 Stunden steigt auf einmal schwarzer Rauch vor unseren Gesichtern auf und eine Stichflamme züngelt neben Magdalenas Bein auf. Wir fangen an wie verrückt zu schreien- nach 30 sec ist der Bus leerJ Unser Fahrer zerrt ein bisschen an den Kabeln herum und sagt dann völlig gelassen, dass wir wieder einsteigen können. Unser Vertrauen in den Fahrer sinkt allerdings etwas, als wir sehen, dass er vor dem weiterfahren am Boden kniend betet… Aber wir haben keine Wahl- wir stehen schließlich mitten im Nirgendwo. Nach weiteren 3 Stunden erreichen wir dann endlich Mole mit schmerzenden Gliedern und vom Sand rot gefärbten Gesichtern. Das Hotel im Nationalpark ist allerdings der Hammer! Es befindet sich auf einer Anhöhe mit fantastischem Blick auf ein Tal mit einer großen Wasserstelle. Auf der Terasse ist ein großer Pool. Dort liegen wir den ganzen Nachmittag in der Sonne,baden und beobachten das rege Treiben an der Wasserstelle. Elefanten baden im Wasser und Krokodile fläzen faul in der Sonne. Außerdem tollen unzählige Affen durch die Hotelanlage und eine Warzenschweinfamilie trottet an den Zimmern vorbei. Ein faszinierender Ort! Am nächsten Morgen machen wir eine Wanderung tiefer in den Nationalpark hinein. Wir stapfen durch die ausgedörrte Landschaft voller trockener Bäume, Sträucher und verbrannter Erden. So weit das Auge reicht, roter Sand und die Luft kratzt im Hals. 2 Stunden folgen wir unserem Guide durch die Wildnis und sehen tolle Tiere. Immer wieder kreuzen Warzenschweine und Antilopen unseren Weg und nach einer Stunde gelangen wir an eine Wasserstelle. Es ist wunderschön hier- die aufgehende Sonne taucht alles in ein warmes Licht, der See ist eingerahmt von Bäumen und alles spiegelt sich auf der glatten Wasseroberfläche. AM Rand stehen zwei Elefanten völlig ruhig in der Sonne und spiegeln sich im Wasser. Vögel umkreisen die Wasserstelle und Krokodile gleiten durchs Wasser. Langsam bewegen sich die zwei Kolosse ins Wasser und tollen wenig später vergnügt herum…
Nachmittags machen wir dann noch eine Jeep Tour. Wir sitzen auf dem Dach, den Fahrtwind im Gesicht und überblicken den Park.

Am nächsten Tag geht die Reise dann noch weiter in den Norden nach Wechiau. Natürlich fährt unser Bus mit 2 Stunden Verspätung los, aber das gehört hier ja zum guten Ton. Außerdem ists mal wieder gerappelt voll und wir sind die einzigen Weißen (wie immer). Nach einer Stunde Fahrt macht der Motor ein ganz trauriges Geräusch und kommt wenig später stotternd zum Stehen.4 Männer aus dem Bus werkeln eine halbe Stunde dran herum, dann geht’s weiter- für 500 Meter. Also wieder wild herumschrauben und dann 200 Meter weiter, bis das Ding wieder absäuft. Also alles raus aus dem Bus. Eine Stunde später ein Neuversuch. Mittlerweile ist die Mittagshitze voll eingebrochen und brennt erbarmungslos auf uns runter. Diesmal schaffen wir sogar ne halbe Stunde, bis der Fahrer uns vor einer Anhöhe aus dem Bus scheucht- das würde die Mühle nicht machen mit uns an Bord. Das Bild das sich dann ergibt ist zum Totlachen. Ein rauchender, rumpelnder Bus erklimmt einen Hügel und 40 Leute rennen hintendrein. Kurz vor der Spitze des „Berges“ gibt der Bus dann vollends den Geist auf und rollt rückwärts wieder runter. Erst als Männer Steine vor die Reifen werfen, können wir unser Gepäck raus holen. So stehen wir also in der Hitze im Nirgendwo und ich überlege schon woran ich meine unbändige Ungeduld und Wut rauslassen kann, als ein Jeep angerast kommt. Wir stürzen uns davor und fragen die Fahrer ob sie uns mitnehmen nach Wechiau und wie immer in Ghana klappen solche Spontanaktionen dann auchJ Die Weiterfahrt ist dann das reinste Vergnügen!

Als wir in Wechiau ankommen fühlt sich mein Körper zwar an, als wäre kein Knochen mehr am rechten Fleck, aber das Dorf ist toll! Hier sind wir nun wirklich im tiefen Afrika angelangt. Das Dorf hat keinen Anschuss zur Außenwelt bis auf einen zweistündigen Holperweg, es gibt keinen Strom, nur Lehmhütten und Wasser aus einem Brunnen. Jeder von uns bekommt einen Wassereimer zum Duschen und wir kochen mit unserem Guide an einer Feuerstelle Abendessen. Als es dunkel wird klettern wir wie die Einheimischen auf die Dächer und schlafen unter freiem Himmel. Über uns der Sternenhimmel und im Hintergrund wilde Geräusche und Trommeln aus der Ferne. Um 6 Uhr morgens laufen wir etwa eine Stunde zum „Black Volta River“. Dort gibt es Nilpferde und Krokodile und wir wollen eine Bootstour machen. Der Fluss ist wunderschön- spiegelglatt und breit zieht er sich durch die Dürre und die aufgehende Sonne ist angenehm warm. Allerdings wird uns etwas mulmig als wir das „Boot“ sehen. Ich hab mich ja auf ein kleines Boot eingestellt, aber diese Holzkiste macht mir dann doch zu schaffen. Als wir uns reinsetzen läuft es sofort voller Wasser und unser Bootsrand schließt fast genau mit der Wasseroberfläche ab. Gleichzeitig kommen mir dummerweise glassklare Erinnerungen an Bilder und Geschichten über Nilpferde in den Sinn. Nilpferde sind die gefährlichsten Tiere der Welt, weil sie sofort und meist tödlich angreifen, sobald sie sich bedroht fühlen. Sie haben ein Gebiss, mit dem sie unsere Sardinendose mit einem Happs zerbeißen können und wenn sie uns nicht erledigen sind da ja noch die Krokodile. Da hilft es auch nicht, dass Julian erwähnt, dass bei seinem letzten Besuch hier (er war schon einmal vor 3 Monaten hier) ganz andere Guides da waren und er keinen einzigen wieder gesehen hat… Nach der anfänglichen kurzen Panik setzt dann die gewohnte Gleichgültigkeit in solchen Situationen bei uns ein- jetzt ists eh zu spät! Und natürlich wird’s wieder ein toller, aufregender Ausflug- wir sehen sogar drei Nilpferde ziemlich nah.
Noch am selben Tag geht’s dann 15 Stunden zurück ins zivilisierte AccraJ Ich fühle mich in der Stadt wirklich super wohl und es ist zu einem zuhause geworden.

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